Fotografien aus der Serie: "So nah – so fern" (1985-1999)
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Brigitte Kraemer
Ich nehme mir Zeit //
Zeit. Ja, das ist vielleicht das Wichtigste, wenn man Menschen fotografieren will, die ganz bei sich sind. Ohne vordergründige Pose, ohne aufgesetztes Lächeln, ohne eine aufwendige Inszenierung mit Licht und Hintergrund. Wenn ich fotografiere, richte ich mein Interesse auf gewöhnliche Alltagssituationen. Sie müssen sich „ergeben“ und dafür braucht man Zeit. (...)
In den Gärten habe ich meistens die ersten Kontakte geknüpft. Wenn Familien und Nachbarn beim Grillen zusammen saßen, wenn Teppiche geschrubbt wurden, wenn Kinder in trostlosen Hinterhöfen unter der Bewachung ihrer Mütter aufregende Spiele erfanden. Ein kleines Gespräch war immer willkommen und wenig später kam unweigerlich die Einladung zu einer Tasse Tee und schon war man mittendrin. (...)
Die Familien aus der Türkei gehören zu unserem Leben im Ruhrgebiet. Überall gehören sie dazu, egal mit welchem Thema ich mich gerade beschäftige. Straßenbahn, Rhein-Herne-Kanal, Zechensiedlungen. Möglich, dass ich sie anders und bewusster wahrnehme als andere Fotografen, weil sie mir vertraut sind und ich ihr Leben „drinnen“ gut kenne. Dieses eigene Leben im anderen Leben ist es, was mich fasziniert. Aber dem komme ich nur nahe, wenn ich mich den Menschen selbst nähere. Wenn ich mich auf ihr Leben einlasse und die kleinen und großen Aufregungen, die jeder Tag mit sich bringt, mit ihnen teile. (...)
Ich habe keine fertigen Bilder im Kopf. Ich bin dabei, schaue und eine Situation entwickelt sich. Und dann entstehen Kompositionen, die etwas vom Leben erzählen.